Psychotherapie & Rassismus

Graphic Recording der Auftakveranstaltung am 21. Oktober 2025 (mehr): studio animanova // Christoph J Kellner; CC BY-NC-ND 4.0

Graphic Recording der Auftakveranstaltung am 21. Oktober 2025 (mehr): studio animanova // Christoph J Kellner; CC BY-NC-ND 4.0
Rassismus als Form der strukturellen Diskriminierung ist tief in unserer Gesellschaft verankert – auch in psychotherapeutischen Räumen. Er zeigt sich in den Berichten all jener, die von Rassismus betroffen sind (Patient*innen, ebenso wie Psychotherapeut*innen), in rassistischen Aussagen sowie in den zugrundeliegenden Denkmustern. Er wird erlebt in (un)bewussten und destruktiven Dynamiken zwischen Therapeut*in und Patient*in – häufig tabuisiert oder verleugnet. Machtasymmetrien, Scham- und Schuldgefühle erschweren ein offenes Sprechen. Wie kann es dennoch gelingen, Rassismus und die resultierenden Beziehungsdynamiken in therapeutischen Räumen zu adressieren, zu verstehen und im therapeutischen Prozess adäquat zu bearbeiten? Welches Wissen, welche Fähigkeiten, welche Erfahrungen und/oder Haltungen braucht es dafür?
Aus unserer klinischen Praxis und der wissenschaftlichen Arbeit in der AG Transkulturelle Psychiatrie der Charité wissen wir um den großen Bedarf an Austausch, Reflexion und Vernetzung zum Thema Rassismus im psychotherapeutischen Feld. Psychotherapeut*innen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen äußern den Wunsch nach unterstützenden Strukturen, um mit rassistischen Dynamiken, den damit verbundenen Verletzungen, Verunsicherungen, Fragen und Ängsten einen Umgang zu finden.
Das Ziel des bundesweiten Netzwerks zu Rassismus und Psychotherapie ist es, einen reflektierten und professionellen Umgang mit Rassismus in der psychotherapeutischen Regelversorgung zu fördern – über psychotherapeutische Schulen und Settings (ambulant – stationär, urban – ländlich etc.) hinweg.
Hierfür trifft sich das Netzwerk quartalsweise online. In diesem Rahmen organisieren wir fachliche Impulse und bieten Raum für Austausch, Vernetzung und Intervision. Das Netzwerk soll Psychotherapeut*innen dabei unterstützen, sich eigenständig zu vernetzen und kollegiale Strukturen aufzubauen. Die Koordination des Netzwerks rotiert jährlich.
Über den folgenden Link könnt ihr euch für die Mailingliste anmelden:
Auf einem Padlet sammeln wir fortwährend Bedarfe, Wünsche und Erwartungen an diese Vernetzung, aber auch eure Ideen, eigene Antworten, oder bereits bestehende Angebote.
Falls ihr Interesse habt, in eurer Region einen Qualitätszirkel
zum Thema Rassismus im psychotherapeutischen Raum zu gründen oder an einem teilzunehmen, meldet euch gerne bei uns! Wir können euch miteinander vernetzen und bei der Gründung unterstützen!
„Wir haben nicht den Anspruch, mit dem Netzwerk das Rad neu zu erfinden. Im Gegenteil: Uns geht es ums Bündeln und ums Zusammenbringen. Darum, ins Gespräch zu kommen – Eure Perspektiven zu hören. Unser Anspruch, unser Wunsch ist, dass die Regelversorgung verbessert werden kann, sodass sich Patient*innen mit Rassismuserfahrungen in therapeutischen Räumen perspektivisch sicherer fühlen können, dass wir uns als Behandler*innen trauen, unsere Verletzlichkeit zuzulassen, offener über Ängste, aber auch Positiv-Erfahrungen besprechen können. Und wir sind fest überzeugt, dass dies nur gelingen kann, wenn zunehmend Räume wie dieser entstehen und es stetig mehr davon gibt.“
Um aufzuzeigen, welche Initiativen diesem Netzwerk vorausgegangen sind, haben wir eine fortwährend zu ergänzende Timeline angelegt. Diese vermittelt einen Eindruck davon, wie sich das Bewusstsein für Rassismus im Gesundheitswesen und speziell im Bereich der Psychotherapie über drei Jahrzehnte entwickelt hat – Schritt für Schritt, getragen von Menschen und Initiativen, deren Kämpfe lange kaum sichtbar waren. Über den folgenden Link könnt ihr auf die Timeline zugreifen:
Zum Jahreswechsel 2023/2024 führten wir eine bundesweite Umfrage unter Psychotherapeut*innen durch, mit dem Ziel zu erfahren, wer sich denn eigentlich sicher darin fühlt, Patient*innen mit Migrationsgeschichte und/oder Rassismus-Erfahrungen zu behandeln. Ein Teilergebnis der Studie mit 315 Teilnehmenden ist, dass das Adressieren von Rassismus in psychotherapeutischen Räumen nicht nur eine kognitive, sondern vor allem auch eine affektive Bereitschaft der Therapeut*innen voraussetzt. Unsere Studienergebnisse zeigen: Für Therapeut*innen sind Räume des kollegialen Austauschs, der Intervision, der Selbsterfahrung und Selbstreflektion grundlegend notwendig. Die reine Wissensvermittlung allein ist nicht ausreichend.

Projektinitiatorin und stellvertretende Leitung TransVer
Kontakt / InfoLeitung Zentrum für Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie (ZIPP)
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Charité Universitätsmedizin Berlin, CCM
Berliner Institut für empirische Integrations- & Migrationsforschung // BIM Humboldt Universität zu Berlin

M.Sc Psychologie, Dr. rer.medic.
Kontakt / InfoWissenschaftliche Mitarbeiterin am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM), Humboldt Universität zu

Psychologin M. Sc.
Kontakt / InfoMitarbeiterin am Zentrum für Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Stationspsychologin, Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhau

Psychologe, B.Sc.
Kontakt / InfoWissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt SIMPLE – Projekt zur mehrdimensionalen Implementierung von Sprachmittlung im Gesundheitswesen an der AG Transkulturelle Psychiatrie, Klinik für Psychiatrie & Psychotherapie, Charité Universitätsmedizin Berlin CCM
Wir wollen dieses Netzwerktreffen nutzen um in den Austausch und die Interaktion miteinander zu gehen. In kleineren Gruppen möchten wir mit Euch ins Gespräch kommen, Eure Ideen, Wünsche und Anmerkungen hören und gemeinsam überlegen, wie sich das Netzwerk entwickeln soll.
Am 21. Oktober 2025 fand das Auftaktevent „Rassismus im psychotherapeutischen Raum: Ins Gespräch kommen – aber wie? Perspektiven – aber welche?“ mit zahlreichen Teilnehmer*innen statt. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete eine Paneldiskussion mit Psychotherapeut*innen aus unterschiedlichen psychotherapeutischen Schulen und Tätigkeitsfeldern. Das Panel wurde moderiert von Zami Khalil, Panellist*innen waren Marcel Badra, Dina Dolgin, Tita Heyn, […]
Um aufzuzeigen, welche Initiativen diesem Netzwerk vorausgegangen sind, haben wir eine fortwährend zu ergänzende Timeline angelegt. Über den folgenden Link könnt ihr auf die Timeline zugreifen: