Rassismus im psychotherapeutischen Raum: Ins Gespräch kommen – aber wie? Perspektiven – aber welche?

Auftaktevent eines bundesweiten Netzwerkes für Psychotherapeut*innen zu Rassismus & Psychotherapie

Uhrzeit: 18-20 Uhr
Format: Online (Zoom)
Anmeldung: https://survey.charite.de/Auftakt_Rassismus_Psychotherapie/
Kontakt: transkultpsychiatrie@charite.de

Rassismus als Form der strukturellen Diskriminierung ist tief in unserer Gesellschaft verankert – auch in psychotherapeutischen Räumen. Er zeigt sich in den Berichten all jener, die von Rassismus betroffen sind (Patient*innen, ebenso wie Psychotherapeut*innen), in rassistischen Aussagen sowie in den zugrundeliegenden Denkmustern. Er wird erlebt in (un)bewussten und destruktiven Dynamiken zwischen Therapeut*in und Patient*in – häufig tabuisiert oder verleugnet. Machtasymmetrien, Scham- und Schuldgefühle erschweren ein offenes Sprechen. Wie kann es dennoch gelingen, Rassismus und die resultierenden Beziehungsdynamiken in therapeutischen Räumen zu adressieren, zu verstehen und im therapeutischen Prozess adäquat zu bearbeiten? Welches Wissen, welche Fähigkeiten, welche Erfahrungen und/oder Haltungen braucht es dafür? Aus unserer klinischen Praxis und der wissenschaftlichen Arbeit in der AG Transkulturelle Psychiatrie der Charité wissen wir um den großen Bedarf an Austausch, Reflexion und Vernetzung zum Thema Rassismus im psychotherapeutischen Feld. Psychotherapeut*innen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen äußern den Wunsch nach unterstützenden Strukturen, um mit rassistischen Dynamiken, den damit verbundenen Verletzungen, Verunsicherungen, Fragen und Ängsten einen Umgang zu finden.
Vor diesem Hintergrund initiieren wir ein bundesweites Netzwerk zu Rassismus und Psychotherapie mit Austausch- und Vernetzungsveranstaltungen für Psychotherapeut*innen (und PiAs). Unser Ziel ist es, einen reflektierten und professionellen Umgang mit Rassismus in der psychotherapeutischen Regelversorgung zu fördern – über psychotherapeutische Schulen und Settings (ambulant – stationär, urban – ländlich etc.) hinweg. Das Netzwerk wird sich quartalsweise online treffen, fachliche Impulse organisieren und langfristig in Kooperation mit bestehenden Initiativen Räume für Austausch, Intervision, Vernetzung und Fortbildung öffnen. Darüber hinaus soll es Psychotherapeut*innen dabei unterstützen, sich eigenständig zu vernetzen und kollegiale Strukturen aufzubauen.
Zum Auftaktevent „Rassismus im psychotherapeutischen Raum: Ins Gespräch kommen – aber wie? Perspektiven – aber welche?“ am 21. Oktober 2025 laden wir Sie herzlich ein. Die Veranstaltung wird mit einer Paneldiskussion mit Psychotherapeut*innen unterschiedlicher psychotherapeutischer Schulen und Arbeitsfeldern beginnen. Im Anschluss werden wir einen Ausblick auf die zukünftigen Tätigkeiten und Angebote des Netzwerks geben.

Laura Hertner, Rosana Sarpeah & Philipp Rühr
im Namen der AG Transkulturelle Psychiatrie unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Kluge (Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte) und TransVer- Ressourcen-Netzwerk zur interkulturellen Öffnung unter der Leitung von Dr. Simone Penka (Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte).

 

Programm 

18:00 Begrüßung durch die Initiator*innen: Zur Vorgeschichte und den Zielen des Netzwerks 
Ulrike Kluge, Rosana Sarpeah, Laura Hertner, Philipp Rühr 

18:20 Paneldiskussion zu Rassismus im psychotherapeutischen Raum Moderation: Zami Khalil 
Panellist*innen: Marcel Badra, Dina Dolgin, Tita Heyn, Steffen Schödwell, Shoba Zaudie  

19:50 Abschluss und Ausblick mit Christoph J. Kellner 

 

Ulrike Kluge: ist Psychoanalytikerin, Gruppenanalytikerin und Professorin für psychologische und medizinische Integrations- und Migrationsforschung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité Universitätsmedizin, Campus Mitte und am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung der Humboldt Universität zu Berlin. An der Charité leitet sie das Zentrum für Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie (ZIPP). Gemeinsam mit Simone Penka leitet sie zudem TransVer- das Ressourcen Netzwerk zur Interkulturellen Öffnung in Berlin. Sie forscht inter- und transdisziplinär zu Flucht, Migration und Gesundheit, sowie zu psychosozialer Integration, Sprach- und Kulturmittlung in der Gesundheitsversorgung und solidarischen Praxen in der Migrationsgesellschaft. 

Laura Hertner: Psychologin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt Universität Berlin. Sie forscht seit fast 10 Jahren zu psychosozialer Gesundheitsdienste und psychischer Gesundheit im Kontext Fluchtmigration. 

Philipp Rühr: wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZIPP und angehender Psychotherapeut. Darüber hinaus ist er als Filmemacher, Lektor und Übersetzer tätig.  

Rosana Sarpeah: Stationspsychologin auf einer akutpsychiatrischen Station, arbeitet am Zentrum für Interkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie (ZIPP) an der Charité und ist angehende Psychoanalytikerin.  

Zami Khalil: Klinischer Psychologe, Referent für politische Bildungsarbeit, Doktorand und Empowerment-Trainer. Als Psychotherapeut in Ausbildung (TP) arbeitet er aktuell in einer psychotherapeutischen Hochschulambulanz. Zami Khalil lernt, lehrt und forscht aus einer Schwarzen, psychologischen, rassismus-und machtkritischen, sowie intersektionalen Perspektive zu den Themen Anti-Schwarzer Rassismus und Psychoanalyse, Rassismus und psychische Gesundheit sowie transgenerationale Weitergabe und Trauma. 

Jutta Weber (Dr.): ist Kinder- und Jugendärztin und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche in eigener Praxis in Krefeld am Niederrhein. 
Sie leitet einen Empowerment Workshop für Schwarze Frauen und Kinder und schreibt den Blog Parelax über Themen zum Leben mit Kindern und Jugendlichen. 
Bei Rowohlt erschien ihr Buch ,Rastavati’, welches ihr Aufwachsen als einziges Schwarzes Kind im Meerbusch der 60er Jahre und ihre späte Vatersuche beschreibt.

Tita Heyn: Psycholog. Psychotherapeutin (TP/Erwachsene, Einzel und Gruppe), seit 25J. in eigener Praxis in Hamburg als eine von wenigen PoC bzw. afrodeutschen Psychotherapeut*innen mit Kassenzulassung; seit 10J. in der Berufspolitik, u.a. als Delegierte der PT-Kammer im Ausschuss Diversität & Antidiskriminierung und als Teil des Netzwerks rassismuskritische Psychotherapie Hamburg, das sich vor ca. 1Jahr gegründet hat. Seit 5 Jahren Dozentin, Supervisorin und Lehrtherapeutin an div. Instituten; Seminare zu innerem Rassismus sowie rassismussensibler Psychotherapie. 

Steffen Schödwell: ist in Berlin Kreuzberg niedergelassener Psychologischer Psychotherapeut für tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie mit Erwachsenen. Vor Psychologie studierte er Südostasienstudien und engagiert sich ehrenamtlich bei der Bettina-Kattermann-Stiftung und dem Berlin Institute for Research and Dialogue (BIRD) e.V. 

Dina Dolgin: approbierte Psychotherapeutin für Erwachsene mit Schwerpunkt auf tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und Psychoanalyse. Sie arbeitet in eigener Praxis in Berlin und verfügt über langjährige Erfahrung in verschiedenen klinischen Arbeitsfeldern. Ein besonderer Fokus ihrer Arbeit liegt auf der Begleitung von Menschen nach traumatischen Erfahrungen oder in suizidalen Krisen sowie auf psychotherapeutischen Prozessen im interkulturellen Kontext. 

Marcel Badra: Arbeitet seit 6 Jahren als niedergelassener Psychotherapeut in Berlin. Zuletzt hat er den Verein Rassismuskritische Psychotherapie e.V. mitgegründet, in dem er sich berufspolitisch für eine Verankerung von rassismuskritischen Perspektiven in der Psychotherapie engagiert.

Shoba Zaudie (sie/ihr): Klinische Psychologin und klinische Gesundheitspsychologin, in Ausbildung zur psycholog. Psychotherapeutin, Verfahrensrichtung Verhaltenstherapie, (private Weiterbildung in multimodaler Traumatherapie). Person mit Migrationsbiografie (erste Generation). Sie arbeitet mit Erwachsenen an der Hochschulambulanz und bei Refugio München, einem psychosozialen Zentrum für Therapie und Beratung für traumatisierte Menschen mit Fluchtbiografie. Langjähriges Engagement im Bereich Diversität, aktiv in der AG Rassismus-sensible Berufspraxis bei BAfF (Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer), Phoenix-Mitglied und in Weiterbildung zur Diversitätstrainerin (Phoenix.org).