51. Netzwerktreffen

Am 3. Juni 2026 fand das 51. Netzwerktreffen von TransVer im Online-Format statt.

Zunächst stellte Nora Alvarado das Projekt OPRA – Psychologische Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt vor. OPRA bietet seit 2004 trauma- und kontextsensible psychologische Beratung für Menschen an, die entsprechende Gewalterfahrungen gemacht haben. Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an Betroffene, sondern auch an Angehörige, Zeug*innen sowie Fachkräfte. In ihrem Vortrag verdeutlichte Nora Alvarado die besonderen Belastungen, die mit rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt einhergehen. Diese Taten greifen gezielt die Identität und das Zugehörigkeitsgefühl der Betroffenen an und wirken häufig weit über die einzelne Person hinaus auf Familien und Communities. Hinzu kommen Unsicherheit, Bedrohungsgefühle und nicht selten sekundäre Viktimisierungen durch unzureichende oder abwertende Reaktionen des Umfelds.

OPRA arbeitet parteilich, kostenfrei, niedrigschwellig und bei Bedarf mehrsprachig. Die Beratung umfasst unter anderem Krisenintervention, Stabilisierung, Psychoedukation, Ressourcenaktivierung und Empowerment. Zudem unterstützt das Team bei Gerichtsverfahren und vermittelt bei Bedarf in weiterführende Hilfen. In der Diskussion wurde auch auf die angespannte Versorgungslage hingewiesen, da in mehreren verwandten Projekten zuletzt Stellen gekürzt wurden. OPRA bleibt dabei das einzige spezialisierte psychologische Beratungsangebot für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Im zweiten Beitrag stellte Martin Liebegut von Gangway e. V. das Projekt Startpunkt – Übergangsbegleitung aus der Haft vor. Das berlinweite und teils sogar bundesweite Angebot richtet sich an junge Menschen, die sich in Untersuchungshaft befinden oder eine Jugendstrafe bis zum Strafende verbüßen und daher keine Begleitung durch die Bewährungshilfe erhalten. Die Mitarbeitenden lernen die jungen Menschen bereits während der Haft kennen und begleiten sie bis zu drei Monate nach der Entlassung intensiv bei der Entwicklung von Perspektiven und der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen.

Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie Wohnraum, finanzielle Absicherung, Arbeit und Ausbildung, Freizeitgestaltung, familiäre Beziehungen sowie Fragen rund um Dokumente und aufenthaltsrechtliche Verfahren. Die Zusammenarbeit erfolgt freiwillig und orientiert sich konsequent an den Bedürfnissen der jungen Menschen. Ziel ist es, stabile Lebensperspektiven zu entwickeln und erneute Straffälligkeit zu vermeiden. Darüber hinaus kooperiert Startpunkt mit Freestyle e.V. und bietet 4 ASOG Wohnplätze für ü18 Jährige – als Übergang z.B. zu BEW oder Wohnung auf privatem Wohnungsmarkt.
Besonders diskutiert wurden die psychischen Belastungen vieler junger Menschen mit Hafterfahrung sowie die Frage, wie niedrigschwellige psychologische Unterstützungsangebote auf freiwilliger Basis besser zugänglich gemacht werden können.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Kolleg*innen für die Vorstellung und an alle Teilnehmenden für den Austausch! Wir freuen uns auf das nächste Netzwerktreffen am 02.09.2026!