TransVer

Der Name TransVer steht für Transkulturalität, psychosoziale Versorgung, Transfer von Informationen, Transfer von Kompetenzen, Vermittlung und Begleitung in die psychosoziale Versorgung und Transparenz. Es ist ein Projekt für Menschen mit Migrationsgeschichte und Mitarbeitende der psychosozialen Versorgung.

TransVer fördert die interkulturelle Öffnung der psychosozialen Versorgung auf 3 Ebenen:

  1. Information über sowie Vermittlung in psychosoziale Einrichtungen für Menschen mit Migrations- bzw. Fluchtgeschichte.
  2. Zugang zu Informationen und Herstellen von Transparenz in Form einer frei zugänglichen Datenbank zu Ressourcen und Angeboten von psychosozialen Einrichtungen für Gruppen von Menschen mit Migrationsgeschichte.
  3. Fortbildungen, Supervision und Fallberatung zu interkulturellen Themen für Mitarbeitende von psychosozialen Einrichtungen.

 

Ursprünge

„TransVer“ wurde basierend auf Forschungsergebnissen einer von der VolkswagenStiftung geförderten Studiengruppe zu „Seelischer Gesundheit und Migration“ (www.segemi.de) (2009-2013) von der damaligen Berliner Projektgruppe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Campus Mitte der Charité- Universitätsmedizin Berlin entwickelt. Im Rahmen der Studienergebnisse zeigte sich, dass die  interkulturelle Öffnung, wie sie 2010 in Berlin im „Gesetz zur Partizipation und Integration“ (vgl. Die Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration 2010) für alle in das Zuständigkeitsgebiet fallenden Einrichtungen gefordert wird und verankert wurde, für den psychosozialen Bereich vielfach nicht umgesetzt ist. So zeichnete sich ab, dass Menschen mit Migrationsgeschichte im Verhältnis zu ihrer Belastung (Dingoyan et al. 2017) oftmals in der psychosozialen Versorgung unterrepräsentiert sind (Penka et al. 2015).

Menschen mit türkischer Migrationsgeschichte waren zwar entgegen bisheriger Annahmen teils aktiv auf der Suche nach psychosozialer Unterstützung, der Zugang scheiterte scheinbar jedoch häufig. Sie berichteten von Schwierigkeiten des Auffindens muttersprachlicher Hilfen, die zugleich aber von vielen präferiert werden. Hierbei spielt jedoch nicht nur die Möglichkeit der sprachlichen Verständigung eine wesentliche Rolle, sondern vor allem die zugeschriebene Empathie von türkisch muttersprachlichen Professionellen.

Die Studiendaten wiesen gleichfalls auf strukturelle oder von Mitarbeitenden ausgehende Zugangsbarrieren unterschiedlichster Art hin, die in bisherigen Untersuchungen häufig unberücksichtigt blieben. So müssen für einen Zugang zu manchen psychosozialen Angeboten zahlreiche Instanzen durchlaufen werden, wie z.B. Weitervermittlung durch Mitarbeitende, Zugang zu Steuerungsgremien, Kostenübernahmen nach SGB XII. Dies scheint für manche Menschen mit Migrationsgeschichte kaum überwindbar zu sein. Bei zahlreichen psychosozial Tätigen hat außerdem bisher nur eine geringe Auseinandersetzung mit dem Thema der Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Migrationsgeschichte stattgefunden. Unsicherheiten bzw. Überforderung und teilweise auch eine ablehnende Haltung gegenüber „Menschen mit Migrationsgeschichte“ konnten identifiziert werden (Penka et al. 2015).

Zeitgleich besteht jedoch ein breites Versorgungsspektrum mit einer Vielzahl zielgruppenspezifischer Ressourcen. Dazu gehören unterschiedlichste Fremdsprach- und Muttersprachkompetenzen, genauso wie Beschäftigte mit vielfältigen Migrationshintergründen in psychosozialen Angeboten (vgl. Penka et al. 2015). Auch signalisierten einige Mitarbeitende eine große Offenheit und ein Interesse an einer internationalen Klientel, die jedoch nicht in deren Versorgungsangeboten ankommt. Häufig scheinen die in der psychosozialen Versorgung vorhandenen Ressourcen nicht angemessen eingesetzt und somit in weiten Teilen ungenutzt zu bleiben.

Ein langer Weg zum Projekt

Eingang über die Senatsverwaltung in der Brunnenstraße

 

Ziele

TransVer knüpft an diesen aufgedeckten Problemlagen an und wird die psychosoziale Versorgung von Menschen mit Migrationsgeschichte im Berliner Bezirk Mitte dem Bezirk mit dem höchsten Bevölkerungsanteil dieser Zielgruppe (Amt für Statistik Berlin Brandenburg, 2015), mittels unterschiedlicher Strategien unterstützen:

    1. Unterstützung und Stärkung von Hilfesuchenden mit Migrationsgeschichte, mittels Information und Beratung, Vermittlung und Begleitung in die psychosoziale Versorgung
    2. Sensibilisierung und Stärkung von psychosozial Tätigen mittels Fortbildung, Einzelfallbezogener Beratung und Supervision
    3. Herstellen von Transparenz hinsichtlich vorliegender interkultureller Ressourcen im psychosozialen Versorgungssystem mittels einer Ressourcen-Datenbank

       

      Damit wird explizit kein weiteres „Sonderprojekt“ für Menschen mit Migrationsgeschichte initiiert, sondern die Partizipation dieser Zielgruppe in der langjährig bestehenden psychosozialen Regelversorgung unterstützt.

       


Die Initiatoren von TransVer Prof. Dr. Dr. Heinz, Dr. Penka und Dr. Kluge
mit Prof. Pollmann (2. von links, visions4people)


 

Förderung

„TransVer“ wird über einen Zeitraum von 3 Jahren (01/2017-12/2019) von der LOTTO-Stiftung Berlin gefördert. Wir möchten uns bei der LOTTO-Stiftung Berlin hierfür ausdrücklich bedanken.