13. Netzwerktreffen „Queer Refugees – Komplexe Traumata und seelische Gesundheit“

Die Netzwerktreffen fanden zunächst im Rahmen des von der Stiftung Charité geförderten Projektes „Willkommenskultur an der Charité“ statt und ermöglichen den Teilnehmenden, sich themenspezifisch auszutauschen und zu informieren. Mit Auslaufen des Projektes sind die Netzwerktreffen seit September 2017 bei TransVer angesiedelt.

 

Am 20.09.2017 fand das erste Netzwerktreffen bei TransVer statt. Anwesend waren Personen vieler verschiedener Organisationen der psychosozialen Versorgung in Berlin. Herr Jakob Prousalis von der Schwulenberatung gGmbH Berlin hielt einen Vortrag zum Thema „Queer Refugees – Komplexe Traumata und seelische Gesundheit“. Zuvor wurde kurz das Projekt TransVer vorgestellt und es gab einen kurzen Vortrag zur Einführung in das Thema der Homophobie und Transphobie durch Arda Trejiner (TransVer). Das zentrale Thema war allerdings der Vortrag von Jakob Prousalis und die darauffolgende Diskussion.

Der Vortrag von Herr Prousalis war durch ein Patientenbeispiel strukturiert. Nach einer kurzen Begriffsklärung des Wortes Trauma, erklärte uns Herr Prousalis die Eckdaten seines Patienten und wie dieser zu Ihm kam. Er betonte wie wichtig es ihm sei, ein Trauma eben als dieses zu diagnostizieren und nicht vor dem Begriff des Traumas zurückzuschrecken. Daraufhin erwähnte er die fünf Hauptkriterin des Traumas:

Was ist ein Trauma?*

Kurze Definition: Trauma (griech.: Wunde) ist eine „seelische Verletzung“, bei einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen durch ein traumatisierendes Erlebnis.

Psycho-Trauma – eine natürliche physiologische Reaktion auf ein abnormes Ereignis , von Menschen oder Naturkatastrophen verursacht.

Die fünf Hauptkriterien der posttraumatischen Belastungsstörung sind:

  1.  Erlebnis eines Traumas– wird auch als Ereigniskriterium bezeichnet
  2. Intrusionen = unwillkürliche belastende Erinnerungen an das Trauma
  3. Vermeidungsverhalten und allgemeiner emotionaler   Taubheitszustand
  4. Anhaltendes physiologisches Hyper-arousal= Übererregung
  5.  Die Symptome dauern länger als einen Monat

(*Auszug aus der Powerpointpräsentation von Herrn Prousalis)

In diesem Ping Pong Prinzip verband Herr Prousalis das theoretische Handeln mit seinen praktischen Erfahrungen anhand seines Patienten. Somit wurden alle Teilnehmer*innen von Symptomen eines Traumas bis zu den Folgeerkrankungen aufgeklärt. Ein großes Thema des Treffens war natürlich die LSBT*I*Q Community und die Traumapatienten aus dieser. Herr Prousalis erzählte, dass in vielen Herkunftsländern Psychiater teils vertrauliche Informationen über ihre Patienten beispielsweise an die Geheimdienste weitergeben, was die Behandlung eben dieser Patienten hier in Deutschland erschweren kann und die Herstellung einer Vertrauensbasis unter Umständen viel Zeit benötigt.

In der auf den Vortrag folgenden Diskussion wurden viele Fragen beantwortet und auch die Weitervermittlung von Patienten diskutiert. Dieses erste Netzwerktreffen bei TransVer war also in allen Punkten gelungen und wurde durch den sehr interessanten Vortrag versüßt.

Zum Weiterlesen das Protokoll des Treffens und ein Interview mit Herr Prousalis im Magazin.hiv: Ein Wort, ein Geruch, ein Bild – und Erfahrungen werden wieder real

(Beitrag von unserer Praktikantin Frau Eustachia Heinz)